Mit OB im Rollstuhl unterwegs
Bei einer Rollstuhl-Erfahrung für Stadträte nahm auch der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg aktiv teil. Am eigenen Leib sollten die gewählten Volksvertreter erfahren wie man Alltagswege im Rollstuhl bewältigen kann, wofür ich eigentlich einfache Aufgaben wie den Besuch einer Galerie, der Tourist-Info oder die Benutzung der Straßenbahn gestellt hatte. Das Medienecho war überraschend groß.
Nach kurzer Begrüßung im Wappensaal des Rathauses gings gleich los mit den 5 Stadträten von SPD, Grünen und Freien Wählern und dem OB und zum ersten kleinen Hindernis: Ein Lastenaufzug im Rathaus, der von der Ebene des Ratssaales zur 1. Etage führt. Nach einigem Rangieren schaffte es der Oberbürgermeister ihn in Gang zu setzen. Ich gleich hinterher, mit der entsprechenden Zeitverzögerung, und weiter zum Aufzug, der in das Erdgeschoss führt. Vom OB nichts mehr zu sehen, also ich mit erhöhtem Tempo aus dem Rathaus und Richtung Marktplatz zum Forum-Gebäude der V+R Bank, wo ihn die Aufgabe erwartet das Haus auf Barrierefreiheit zu testen. Ich wundere mich schon, dass nichts vom Oberbürgermeister zu sehen ist, auch in der Bank ist er nicht, ich also langsam etwas den Weg zurück. Da höre ich Stimmen, die aus dem Tiefgaragenzugang der Marktgarage komme, und Georg Rosenthal kommt heraus und freut sich mich zu sehen, und dass er auf seinem Weg schneller war, wie er meint. Nun haben wir ja einen sportlichen OB, der auch die heutige Aufgabe mit Sportsgeist angeht und schon erzählt er wie es ihm auf dem Weg ergangen ist. Er hatte den Aufzug im Rathaus in die Tiefgarage genommen und war dort bereits auf die erste Barriere gestoßen, eine alte schwere Verbindungstür zur Garage mit einer unangenehmen Schwelle: “Die kann man doch leicht beseitigen.”
Weiter geht es ins Forum-Gebäude um die Ecke und in die V+R Bank, ein fast noch neues Bauwerk. Der Oberbürgermeister schaut sich dort die Geldautomaten an, nicht unmöglich sie zu bedienen, aber ganz zufrieden scheint er nicht zu sein. Der Empfangsschalter ist auch mehr für Stehende gedacht, aber zur Not könnte man auf einer Ablage unterschreiben, zudem gäbe es noch ein eigenes Beratungszimmer, wie die freundliche Empfangsdame erklärt.
Nun kommt es zum schwierigen Teil der Aufgabe. Die ikk Krankenkasse befindet sich in einem Gebäudeteil dessen Eingang zwei Stufen hat. Immerhin gibt es dort ein Schild mit dem Rollstuhlzeichen und einem Pfeil um die Ecke, so dass man mit etwas Fantasie auf die Idee kommen kann, dass es einen zweiten allerdings recht komplizierten Weg durch die Bank zur Krankenkasse gibt. Den nimmt der Oberbürgermeister auf sich und spart dabei nicht an Kritik: “Einen Spiegel, um rückwärts sehen zu können hat der Aufzug auch nicht.” Im Gespräch mit Verantwortlichen der Bank und Versicherung gesteht der OB jedoch ein, dass es auch im eigenen Haus noch Handlungsbedarf gebe.
Zum Abschluss probiert die kleine Gruppe noch die Straßenbahn aus – und die Höhendifferenz beim Ein- und Aussteigen. Der Weg zur Cafeteria im Rathaus wird auch noch beschritten bzw. berollt, über einen engen Aufzug und einen langsamen Plattformlifter. Damit hat es Georg Rosenthal für heute mit Rollstuhl ganz gut geschafft und dürfte damit ein paar Anregungen für zukünftige Entscheidungen mitbekommen haben.
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Verfasst: 10. Oktober 2009 unter Barrierefreiheit, Behindertenpolitik, Stadtrat Würzburg.
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